Paris-Brest-Paris 2015 – Vorbericht

Paris-Brest-Paris 2015 – Vorbericht

Link zum Athlete Tracker: http://suivi.paris-brest-paris.org/J302.html

Der große Tag ist da. In rund fünf Stunden, um 18 Uhr, gehe ich an den Start von Paris-Brest-Paris. Ich habe 90 Stunden Zeit für 1.230 km und ca. 10.000 Höhenmeter. Meine Startnummer ist J302. Es geht 600km quer durch die Bretagne in Richtung Brest an den Atlantik und auf gleicher Strecke zurück. Ich hoffe, dass es sich so ausgeht, dass ich in beide Richtungen die schönsten Dinge am Tage passiere, um möglichst viel von der Gegend zu sehen.

Gestartet wird in Wellen zu 300-350 Personen. Insgesamt sind etwas über 6.000 Leute am Start. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, mit einem Limit von 80 Stunden (ab 17 Uhr) oder 84 Stunden (ab 17.8. 5:00 Uhr) zu starten, aber ich habe mich für die klassische 90 Stunden Variante entschieden.

Aus den Statistiken kann man lesen, dass es rund 30% Ausfallquote bei jeder Austragung gibt. Es kann so viel passieren, in 3,5 Tagen. Vor allem ein Sturz oder ein technischer Defekt würde im schlimmsten Fall das Ende bedeuten. Mir wurde von einem Teilnehmer berichtet, der im Anschluss an PBP monatelang taube Finger hatte. Ein anderer hat seitdem sein Fahrrad nie mehr angerührt. Ich bin also gespannt, was alles auf mich zukommt und habe großen Respekt!

Was mir zu schaffen machen wird, ist die Ernährung, weil ich irgendwann einfach keinen Hunger und Appetit mehr habe und dann zu wenig zu mir nehme. Außerdem werden mir meine Weichteile weh tun. Mit meinen Genitalien hatte ich bisher auf jedem längeren Brevet Probleme. Ich fahre deshalb eine Triathlonhose, quasi ohne Einsatz, um die Reibung durch das Polster, dass sich genau vorne in jeder Radhose befindet, wo Frau drauf sitzt, zu vermeiden. Der Hintern tut mir eigentlich nie weh. Der ist schon platt gesessen. Das ging bisher bei 600km gut, ob es ohne Polster auch für 1200km reicht, wird sich zeigen.

Als Gegenmaßnahme wollte ich eine zusätzliche Radhose mitführen, aber die Ersatzbekleidung wiegt bereits 476g. Ein normales Radtrikot wiegt tatsächlich 250g! Eine Radhose deutlich mehr. Also habe ich nur eine Ersatz Triathlonhose dabei. Da ich bei meinem Brevets genug Erfahrung mit Regen sammeln musste, habe ich einen kompletten Satz Ersatzwäsche dabei. Zwar wollte ich auch zusätzliche Ärmlinge und Beinlinge mitnehmen, aber wie schon gesagt, das Gewicht. Also gibt es nur trockene Kleidung, die direkt am Körper sitzt.

Da diesmal aber kein großer Regen angesagt ist, habe ich gestern sogar die 250g schwere Radhose ausgepackt. Ich habe eine kurze Regenhose dabei, die sollte sowohl bei Regen als auch bei Temperaturen um die 10 Grad nachts reichen.

Meine strategischen Planungen sehen wie folgt aus:

Alle 100km bzw. bei jeder oder jeden zweiten Kontrollstation gibt es eine Kleinigkeit zu essen. Baguette, o.ä. 20-30 Minuten Pause. Die Zeit vergeht, bis man das Klo findet, sich bei der Verpflegung anstellt und was isst und trinkt. Schwups, sind 20 Minuten weg.

Dazwischen gibt es Riegel, ich habe sechs Riegel und sechs Gels dabei, was fast 700g Gepäck ausmacht. Plus Getränkepulver, was nochmal rund 400g verursacht.

Alle 200km möchte ich etwas Warmes essen, ca. 1h Pause machen. Nudeln oder ähnliches.

Bei km 363 in Tinteniac möchte ich die erste Schlafpause von drei bis vier Stunden machen. Da ich dort aber, grob gerechnet, am Montag gegen 13 Uhr Mittags ankomme, weiß ich nicht, ob ich zu dem Zeitpunkt müde bin. Mal sehen.

Weiter geht’s im 100er / 200er Rhythmus bis km 698 nach Carhaix. Hier wartet Michael auf mich mit Nudelsalat und Crepes und ich kann in seinem Auto die nächste Schlafpause einlegen. Da die Schlafsäle alle überfüllt sind, und viele einfach auf dem Boden schlafen müssen, wurde mir das als Tipp mit auf dem Weg gegeben. Dort bin ich ungefähr am Dienstag um 10 Uhr.

Ab dort habe ich keinen Plan mehr. Die 100er/200er Strategie bleibt und ich werde mal sehen, wo und wie lange ich die dritte Schlafpause einlege.

Ich habe mit einem netto Schnitt von 22 km/h geplant. Das wären 56h reine Fahrtzeit. Die Pausen hinzu gerechnet komme ich auf ca. 76h Brutto Zeit. Noch 4h Zeitpuffer dazu, wäre ich bei 80h. Damit wäre ich am Donnerstag Morgen um 2 Uhr zurück in Paris. Meine 90 Stunden laufen am Donnerstag um 12 Uhr ab. Bis dahin muss ich im Ziel sein.

Ich möchte das Event genießen. Rad am Ring ist ein Wettkampf, das Race across America ist ein Wettkampf, aber die Philosophie der Randonneure ist dabei sein und die Strecke bewältigen. Genau das reizt mich auch daran. Einfach nur machen!

Mir wurde erzählt, dass Tag und Nacht Zuschauer am Straßenrand stehen, die anfeuern, Kaffee, Baguette und Crepes verschenken. Hoffentlich habe ich die Ruhe um mir das nicht entgehen zu lassen, wenn sich die Chance bietet.

Ein wichtiger Tipp, den ich bekommen habe und beachten möchte: Wenn der Minutenschlaf kommt, dann unbedingt 15 Minuten hinlegen und einen PowerNap machen. Das soll enorm helfen. Mir wurde erzählt, dass auf dem Rückweg immer mal wieder einfach Leute im Gras liegen, die aussehen, als ob sie gestürzt wären und Hilfe bräuchten, aber sie haben einfach angehalten und sich so, wie sie sind, ins Gras gelegt und schlafen.

Und somit ist alles geschrieben, was ich im Vorfeld geplant hatte. Ich bin gespannt, wie es dann real aussehen wird. Meine Beine sind seit Rad am Ring tatsächlich etwas angeschlagen, aber die langen Dinger werden eh mit dem Kopf bewältigt und der passt. Also, alles im grünen Bereich.

Ich freue mich richtig drauf! Es findet nur alle vier Jahre statt, das ist wirklich etwas besonderes. Und ich weiß nicht warum, aber es sind nur sehr, sehr wenig Frauen am Start. 2011 sind nur knapp 300 Frauen ins Ziel gekommen. Und 4000 Männer! Dieses Jahr sind 522 Deutsche am Start, davon nur 29 Frauen. Ich bin also Exotin. Außerdem für das Durchschnittsalter der Teilnehmer noch recht jung. Alles sehr spannend! Ich lasse von mir hören!

P.S. Die Wetterprognose ist, anders als in Deutschland, gut! Jippieayeah!

#IstriaBike #PowerBar #PBTE #Airstreeem #PersonalTriathlonTraining

Gepäck PBP 2015

Gepäck PBP 2015

Mein Rad, fertig für PBP

Mein Rad, fertig für PBP

Let's get ready to rumble!

Let’s get ready to rumble!

Rennbericht Rad am Ring 2015

Mein Ziel war klar: Nochmal ein gutes und langes Training für meine erste Teilnahme bei Paris-Brest-Paris am 16. August (1200km nonstop) absolvieren. Deshalb durfte nichts riskiert werden: Keine Erkältung, keine Knieschmerzen, keine sonstigen Beschwerden. Plan B war aber immer präsent: Wenn es gut läuft, will ich versuchen aufs Podest zu fahren! Allerdings hatte ich dabei eher an den dritten Platz gedacht.

Der Renntag fing dann leider ganz anders an als geplant. Wegen des Sturmtiefs Zjelko, dass am Samstag über Westdeutschland zog und zahlreiche Unwetterwarnungen auslöste, wurde der Start auf 20 Uhr verschoben, so dass wir ‚nur‘ 17 Stunden fahren durften. Viele Teilnehmer reisten bereits ab, aber mindestens genauso viele waren am Abend richtig heißt, endlich über die Nordschleife fegen zu dürfen. Ich gehörte zur zweiten Kategorie!

Für 24 Stunden hatte ich mir eine drei Runden Taktik überlegt: Drei Runden, bzw. drei Stunden fahren, dann 20-30 Minuten Pause. Für 17 Stunden war das natürlich zu viel Pause. Erst wollte ich, zusammen mit meiner Betreuerin Nicole Bonnie, bei der drei Runden Taktik, aber mit verkürzten Pausen bleiben. Da die vier Runden Taktik vor zwei Jahren zu viel Kraft gekostet hat. Eine Runde am Nürburgring hat nämlich nicht nur 25km, sondern auch 550 Höhenmeter, was die Sache etwas schwierig und kräftezehrend macht. Nach drei gefahrenen Runden habe ich mich aber für eine vierte entschieden, bevor ich die erste Pause mache.

Nach der ersten Pause wollte ich weitere drei oder vier Runden fahren, musste aber nach zwei Runden, also nach Runde sechs etwas Normales essen, weil mein Magen Probleme bereitete. Ich vermute, dass ich die Ernährung unter dieser Belastung nicht gewohnt bin. Bei einem Triathlon ist die Belastung gleichmäßig. Bei Rad am Ring hat man, wenn man auf Bestzeit fährt, eigentlich nie 10 Sekunden Zeit um in Ruhe vom Riegel abzubeißen. Ständig geht es rauf, runter, dann durch die berühmte Fuchsröhre mit 90-100km/h schnell runter und fast unmittelbar danach mit 8-10 km/h und bis zu 15% Steigung 300 Höhenmeter auf die hohe Acht hinauf. Danach geht es wellig weiter und man ist ständig gezwungen zu schalten, in den Unterlenkergriff zu wechseln, Windschatten zu suchen, usw. Kurz gesagt, es bleibt einfach keine Zeit zu essen!

Runde sechs war mental die schwerste. Es war 3:00 Uhr, es war 5 Grad kalt – mitten im Juli- die Beine waren nicht ganz so frisch wie gehofft und der Magen tat seinen Dienst nicht, wie er sollte. Und es waren erst sieben Stunden vergangen. Selbst zu meinem Minimalziel, 12 Stunden im Sattel zu sitzen, waren es noch fünf Stunden. Aber dann bekam ich die erste Platzierungsmeldung: Ich lag auf Platz Zwei! Das änderte alles. Die alte Wettkampfmentalität brach langsam wieder durch. Die Pause wurde so rasch wie möglich beendet und als ich wieder los fuhr, brach auch schon die Morgendämmerung an.

Zwei Runden später kam die nächste Hiobsbotschaft: Ich liege auf Platz 1. Meine Konkurrentin hat wohl ebenfalls eine Pause gemacht. Nun ist der Knoten vollends geplatzt. Ich hatte die reale Chance, Rad am Ring zu gewinnen! Nur noch rund fünf Stunden lagen vor mir, also vier Runden. Nur noch viermal die hohe Acht hoch, der Rest geht schon irgendwie. Ich habe mich auf  meine Stärken, das bergab fahren, den Schwung mitnehmen und die lange Gerade vor der Grand-Prix-Strecke zu drücken konzentriert und die steilen Passagen so kraftschonend wie möglich gefahren. Das hat gut geklappt. Ernährt habe ich mich eigentlich nur noch mit Cola und Gel, irgendwie hat das schon gereicht. Schließlich lag ich auf Platz 1, da spielen die körperlichen Gebrechen dann doch keinerlei Rolle mehr.

In den letzten Runde habe ich  alles gegeben und sogar noch eine Runde unter einer Stunde hin gezaubert. Diese habe ich aber mehr mit dem Kopf, als mit der körperlichen Verfassung zustande gebracht. Wie in guten, alten Triathlontagen. Und so konnte ich tatsächlich als erste Frau über die Ziellinie fahren!

Natürlich hat dieser Erfolg gleich wieder Lust auf mehr gemacht. Und mehr ist geplant: Am 16. August nehme ich die 1200km von Paris-Brest-Paris in Angriff. Dafür musste ich im Frühjahr schon die offizielle ‚Brevet‘ Serie fahren, um mich zu qualifizieren: 200km, 300km, 400km und 600km. PBP ist allerdings kein Rennen. Bei den Ranndoneuren (auf deutsch: Radwanderer), wie die Teilnehmer auch genannt werden, geht es um das Dabeisein. Es gibt keine Siegerehrungen und keine Preise. Und es gibt keine persönliche Betreuung unterwegs. Man fährt offizielle Kontrollstellen an, an denen man sich selbst verpflegt. Das benötigte Gepäck führt man am Rad mit.

Nächstes Jahr ist die nächste ultimative Herausforderung geplant: Im vierer Damenteam wollen wir versuchen, den Rekord beim Race Across America zu schlagen. Das härteste Radrennen der Welt, 4500km quer durch Amerika von der West- an die Ostküste, durch das über 40 Grad heiße Death Valley und über die 8 Grad kalten Rocky Mountains. Berühmt und berüchtigt.

Nach 13 Jahren Triathlon, habe ich aktuell mein Herz ans Langstreckenradfahren verloren. Hauptsache lang! Aber den ein oder anderen Triathlon werde ich in den nächsten Jahren sicher bestreiten.

#RadamRing Start erneut verschoben :-((( Wegen des Sturmes ist der Start auf 20:00Uhr verschoben. Mal sehen, ob es noch stattfindet. In Köln ist der WomensRun und in Wolfsburg der Triathlon abgesagt. Gut, dass wir 24h haben, also besteht zumindest noch eine Chance. 700km Anreise und 500km Heimreise und eine wichtige Trainingseinheit würden ausfallen. Das ist Mist! Neue Devise: 17h ohne Pause durchfahren und das Ding gewinnen ;-)) Haha :-) Ich hab nämlich immer noch Bock! Nur wegen so bisschen Wind? Das hatte ich alles schon dieses Jahr ;-)

Höhenprofil Nordschleife 25km 550hm :-)

Höhenprofil Nordschleife 25km 550hm :-)

Rennbericht: Den store Styrkeproven – Die große Kraftprobe – Radfahren von Trondheim nach Oslo, 542km, nonstop.

Seit vielen Jahren hatte ich Styrkeproven / Trondheim-Oslo schon auf meiner To-Do Liste. Warum genau, weiß ich gar nicht mehr. Als ich mir letztes Jahr Gedanken über meine sportlichen Ziele gemacht habe, hat sich irgendwie von selbst die Wettkampfplanung ergeben. 2015 findet Paris-Brest-Paris statt. Das steht ebenso lang auf meiner To-Do Liste wie Trondheim-Oslo. Da es nur alle vier Jahre stattfindet, war sofort klar, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Und was bietet sich mehr an, als im Jahr zuvor Styrkeproven zu radeln. Gesagt getan. Angemeldet. Auf zu neuen Ufern, neuen Aufgaben, neuen Abenteuern.

Im Vorfeld galt es sich mit dem neuen Hobby zu beschäftigen. Ein neues Rad muss her – ein reinrassiges Rennrad, kein Triathlonrad mehr. Beleuchtung, Navigation, Stromversorgung, Gepäckträger. Alles neue und spannende Dinge.

Da ich keine Ahnung hatte, wie schnell man 540km absolvieren kann, habe ich mir die Ergebnislisten des letzten Jahres angeschaut. Die Top 50 der Damen fuhren alle schneller als 20 Stunden. Uff, so schnell? Das ist ein 27er Schnitt. Brutto, wohl gemerkt. Aber die Top50 Zeiten zu vergleichen erschien absolut realistisch, nachdem ich 2013 bei Rad am Ring gleich mal auf Platz fünf geradelt bin. Deshalb habe ich mich für eine Startgruppe mit 18 bis 20 Stunden anvisierter Endzeit gemeldet.

Ende Mai bin ich bereits 600 km geradelt. Ein ‚Brevet‘, das ich für die Anmeldung zu Paris-Brest-Paris im nächsten Jahr brauche. Die reine Strecke zu bewältigen sollte also kein Problem darstellen. Aber die Geschwindigkeit bei Styrkeproven stellte eine große Unbekannte für mich dar, da Brevets unter anderen Voraussetzungen und wesentlich langsamer absolviert werden.
Es war klar, dass in Norwegen Gruppenfahren angesagt ist. Nur so sind diese Endzeiten realisierbar. Darüber hinaus sind Begleitfahrzeuge Standard. Kurze Toilettenpausen und schnelle Versorgung mit Riegel, Gel, Cola oder anderen notwendigen Dingen. Keine unnötige Zeit für Pausen verlieren. Das alles habe ich nicht. Ich bin als Selbstversorger und Einzelkämpfer angereist. Ich hoffte, mich einer guten Gruppe anschließen zu können und verließ mich auf die angebotene Verpflegung. Damit war ich zwar nicht alleine, aber definitiv in der Minderzahl.

Start war am Samstag, 28. Juni um 09:32 mitten in Trondheim. Es lief alles ganz entspannt ab. Alle zwei Minuten werden 30-50 Leute auf die Strecke geschickt. Beginnend um 07:00 Uhr mit den schnellsten Teams. Ab 09:30 waren die Startgruppen mit 18-20 Stunden Endzeit dran.

Raus aus Trondheim hatte ich die Führung inne. Was war denn hier los? Ich bin nur 28 km/h gefahren. Und dann hab ich den Rest auch noch abgehängt !?! Ok. Also langsamer, wieder hinten einsortieren und erst mal die Lage sondieren. Nach ein paar Kilometern fuhren wir auf die 9:30 Uhr Startgruppe auf und hängten uns hinten dran. Jetzt also 100 Mann stark. Die Gruppe vor uns noch langsamer und von miserablen Gruppenfahrern angeführt. Das konnte nicht gut sein.
Ein Hamburger neben mir scharrte, genau wie ich, mit den Hufen. Als wir mit 23km/h in einen Berg hinein fuhren und in ca. 12. Reihe fahrend fast zum Stehen kamen, habe ich zum Angriff geblasen. Erst sind nur drei mit mir vor gefahren, aber nachdem ich aus der Führung ging, waren es doch ca. 10 Mann. Perfekt! Mut zahlt sich aus. Wir waren etwas zu zügig für mich unterwegs, aber es war noch ok.
Leider stürzte ein Fahrer und dessen Teamkameraden blieben stehen. Die andere Hälfte der Gruppe hielt an der ersten Verpflegungsstation an. So war die Gruppe gesprengt. Kurz vor der zweiten Verpflegung fand ich eine neue Gruppe, mit denen ich ein Stück gefahren bin, bevor ich nach ein paar Stunden meine finale Gruppe hatte.

Leider hatte ich insgesamt keine guten Beine, so dass ich ein zwei schnellere Gruppen nicht mitgehen konnte. Ich konnte an den Bergen nicht richtig hin drücken. Ich sag’s mal so, ich hatte meine Tage, am Anfang noch Bauchweh auf dem Rad und die Tage zuvor waren subotpimal. Was ein Mist – aber nunmal alle 28 Tage.
Außerdem ist mir bei km 40 eine Speiche aus dem Vorderrad gefallen. Aus dem neu eingespeichten Nabendynamo Laufrad. Oh man, da hat mein Mechaniker wohl eine Speiche vergessen anzuziehen. Aber der Achter war so gering, dass ich erst mal weiter gefahren bin. Mal sehen, was passiert. Eigentlich wollte ich einen Mechaniker aufsuchen, aber irgendwie war das Fahren kein Problem und deshalb wollte ich keine Zeit verlieren. Und tatsächlich hat das gute Airstreeem Laufrad bis Oslo durchgehalten! Mit einer fehlenden Speiche!

Die angebotene Verpflegung des Organisators war durchschnittlich. Es gab jedes mal eine andere Suppe (bis hin zur Fischsuppe bei km 430). Und es gab trockenes Toastbrot mit trockenem Käse belegt. Und es gab Bananen. Davon aber reichlich :-/ Einmal gab es einen Eintopf mit Fleisch und bei km 430 gab es Nudeln und Schokolade. Das tat gut. Zu Trinken gab es irgendeinen Saft, ich würde sagen milden Apfelsaft, Iso und Wasser. Ach ja, und Kaffee. Immer Kaffee. Aber ich hab nur einmal einen halben Becher getrunken und das auch nur, weil er warm war 🙂 Denn nachts hatte es 6,1 Grad. Brrr. Gott sei Dank hat es, außer ein paar harmlosen Tropfen, nicht geregnet! Nur der Gegenwind war nicht zu unterschätzen. Der blies zeitweise wirklich ordentlich.

Ich war so froh, dass ich mich für Beinlinge, die dicke Regenjacke und lange Handschuhe entschieden habe! Ich wollte eigentlich wie beim 600er Brevet mit kleiner Satteltasche bepackt fahren. Aber in der Woche vor dem Rennen habe ich mir Fotos vom letzten Jahr angeschaut und dort war keiner mit viel Gepäck unterwegs. Davon habe ich mich anstecken lassen. Mittlerweile ist mir klar, dass die meisten Fahrer ihre Begleitfahrzeuge haben und warme Bekleidung gereicht bekommen.
Das habe ich gelernt: Nachts, zwischen 2 und 4:30 Uhr wird es auf dem Rad verdammt kalt. Nicht nur in Norwegen. Das ist nicht zu unterschätzen!

Ansonsten war für Essen und Trinken nie genug Zeit. Meine Gruppen haben meist nur 3-5 Minuten Pause gemacht, denn sie hatten ja ihr Teamfahrzeug. Das blaue Team hat die Pause ganz kurz gehalten, das weiße hat zumindest das Angebot an Suppe und Kaffee genutzt. Aber im Grunde hieß es immer runter vom Rad, schnell eine Suppe nehmen, die zu heiß war um sie sofort zu trinken. Ein trockenes Brot versuchen runter zu schlucken, Flaschen auffüllen, Pinkeln, schnell, schnell und ab aufs Rad. Die letzten Bissen Brot und den letzten Schluck Suppe noch schnell auf dem Rad runter würgen. Puh!
Irgendwann habe ich mich so sehr nach 5 Minuten entspannter Pause gesehnt. Aber da war ich vom Rennfieber schon so angefixed, dass ich das natürlich nicht gemacht habe.

Ich bin eine Zeit lang mit dem weißen Team aus Oslo gefahren. Wir sind auf die blauen aufgefahren und haben uns erst mal dran gehängt. Auf dem Dovrefjell sind wir dann vorbei und haben einen ganz ordentlichen belgischen Kreisel gemacht. Leider war er nicht ganz rund, was Körner gekostet hat. Aber es hat Spaß gemacht und man ist ins Gespräch gekommen.
Irgendwann wurde mir das leider zuviel und ich habe mich nach der nächsten Verpflegung wieder hinter die blauen gehängt. Die waren bergauf so langsam, dass wir hinten dran teilweise fast zum Stehen kamen. Wirklich langsam. Aber insgesamt gleichmäßig und durch ihre kurzen Pausenzeiten auch gut unterwegs. Und so haben wir sogar die Weißen wieder überholt, die eine etwas längere Pause eingelegt haben. Ich bin also zwischen blau und weiß hin und her gependelt.
Zu diesem Zeitpunkt hat man eh immer dieselben Gesichter wieder gesehen. Mal hat einer eine längere Pause gemacht, mal ist er mit vier schnelleren Fahrern wieder von hinten gekommen, mal hat er eine Pause ausgelassen und sich vom Teamfahrzeug versorgen lassen. Egal wie, es waren immer dieselben. Man kannte sich langsam und freute sich, wenn man sich wieder gesehen hat.

Trotzdem waren die ersten zwölf Stunden kein schönes Radfahren. Zuerst die langsame Gruppe mit Stopp and Go aus Trondheim raus, dann die etwas zu schnelle 10er Gruppe, dann die zu langsamen Blauen, dann der nicht ganz runde belgische Kreisel bei den Weißen, dann wieder die langsamen Blauen. Puh. Alleine fahren war aber noch eine schlechtere Option, weil ich nie so schnell fahren kann, wie eine ganze Gruppe und dazu bließ ein extremer Gegenwind. Also bin ich erst mal eine lange Zeit brav hinter den Blauen geblieben. Ein anderer Deutscher hat die Situation gut beschrieben. Die Gruppe ist mies, aber man kommt mit ihr ins Ziel.

Einen weiteren Vorteil hatte das blaue Team ebenfalls zu bieten: Da ich auf Toastbrot und Bananen Diät war, meine PowerBars und Gels nach zwölf Stunden langsam zur Neige gingen, war meine Energieversorgung nicht die Beste. Bei hohem Tempo habe ich das sofort gemerkt. Aber hinter den Blauen war ich in einem guten Fettstoffwechseltempo, das ich auch mit Brot und Bananen bis nach Oslo durchgehalten hätte.

Das weiße Team aus Oslo und ich im Ziel

Das weiße Team aus Oslo und ich im Ziel

Aber dann kamen ja Gott sei Dank meine Weißen wieder 🙂 Ideal. Ich war gut drauf, hatte mich hinter den Blauen gut erholt und habe mich wieder den Weißen angeschlossen. Hier war mittlerweile nicht mehr an einen belgischen Kreisel mit 38km/h zu denken. Es wurden 32-35km/h gefahren. Perfekt! Leider etwas zu schnell mit nur Brot und Bananen. Also aber meine letzten PowerBars aufgebraucht waren und ich ein echtes Energieloch hatte, halfen sie mir mit Riegeln und Cola aus. Dankeschön!

Vor allem die Cola hat es raus gerissen. Es ist wirklich unglaublich. Was ein Unterschied zwischen vier bis fünf Stunden im reinen Fettstoffwechsel und dann wieder auf Zucker. Man muss nur 45 Minuten lang beißen und irgendwie dran bleiben, bis man langsam merkt, dass der Zucker wirkt, aber dann schlägt es ein. Der Kopf wird wieder klarer, die Radbeherrschung kehrt zurück und man macht wieder Scherze. Genau so war das. Perfekt. Nun hieß es also nur noch die letzten zwei bis drei Stunden im hohen 32er Tempo durchhalten und alles wird gut!

Zieleinfahrt in Oslo nach 540km

Zieleinfahrt in Oslo nach 540km

Aber die letzten Kilometer ziehen sich! Das ging mir beim 600er schon so. Die Wahrnehmung verzerrt sich bei diesen Distanzen ganz schön. Nach 440km denkt man sich: Oh, nur noch läppische 100km. Umgerechnet sind das aber nochmals drei bis vier Stunden! Das heißt auch, nochmal drei Stunden Wettkampfernährung, so gut wie irgend möglich. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Magen nicht mehr wirklich aufnahmebereit ist.
Beim Triathlon motivierte ich mich immer mit den letzten zehn Kilometern. Das hieß, noch maximal 40-50 Minuten alles geben und leiden. Hier sind es halt noch drei bis vier Stunden. Das ist schon hart. Muss ich zugeben. Und das zieht sich dann wie Kaugummi. Puh. Aber egal. Einfach immer treten, treten, treten.

Nach 19:40:08h bin ich über die Ziellinie in Oslo gerollt! Als 44. Frau, also in den erwarteten Top50. YES! I did it 🙂

Danke an Hirschkuss für die Reisekosten, an IstriaBike für die Startgebühr, an PowerBar für die Verpflegung und an Airstreeem für das gute Fahrrad! Ihr habt mal wieder einen großen Teil beigetragen. Vielen lieben Dank dafür!

Quadrathlon Steinberger See

Tölzer Power: Hirschkuss und Gasthaus on Tour!

Tölzer Power: Hirschkuss und Gasthaus on Tour!

Vergangenes Wochenende stand meine Prämiere als Quadrathletin auf dem Wettkampfkalender. Schwimmen + Radfahren + Kajak + Laufen. Da ich vom Kajaksport komme (Sechste Gesamtdeutsche Meisterin im Kajak Einer über die Langstrecke, 1991) habe ich schon lange von einem Quadrathlon geträumt. Bisher stand die punktgenaue Vorbereitung auf die Langdistanz dem immer im Weg. Aber dieses Jahr bin ich endlich angetreten.

Mein Boot und ich im Regen.

Mein Boot und ich im Regen.

Ich habe mir ein Boot vom Donau Ruder Club Neuburg gekauft: Den T8. Das ist ein Trainingsboot, das zu meiner aktiven Zeit von den Jungs gefahren wurde. Ich habe mein 22 Jahre altes Paddel ausgepackt, das ich damals bei der Süddeutschen Meisterschaft von meinen Eltern geschenkt bekommen habe, als ich mir zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert habe. Ich habe einen Bootsträger an mein Hochdach montiert und am Freitag ging es los zum Oberpfälzer Seenland Quadrathlon.

Zwei Tage vor dem Start wurde bekannt gegeben, dass aufgrund der Wassertemperaturen kein Schwimmen erlaubt sein würde und der Wettkampf als Duathlon, für uns als Triathlon, ausgetragen werde. Am Wettkampftag kam dann auch noch Wind hinzu, so dass wir nicht über den See paddeln durften, aber zumindest fünf kleine Runden in Ufernähe paddeln durften.

Wir trotzen dem Wind und den Wellen am Steinberger See.

Wir trotzen dem Wind und den Wellen am Steinberger See.

Ich habe mein größtes Ziel erreicht: Nicht aus dem Boot zu fallen! Insgesamt sind drei Männer den Wellen zum Opfer gefallen. Ich nicht! Nach 22 Jahren und fünfmal Paddeln.

Der Lauf im Anschluss war sehr interessant. Ich bin natürlich hart Rad gefahren, in Wind und Regen, und habe mich dann ins Boot gesetzt. Für die Beine von 100 auf 0. 35:57 Minuten später bin ich aus dem Boot raus und wollte wieder schnell Laufen. Das geht so nicht, habe ich festgestellt. Das Laktat vom Radfahren hat sich schön in der Muskulatur festgesetzt und einen vernünftigen Stoffwechsel erst mal verhindert. Aua! Das muss ich noch trainieren.

Ende August habe ich einen weiteren Quadrathlon geplant. Die Weltmeisterschaft in Franken. Da die Teilnehmerzahl sehr überschaubar ist, habe ich ganz gute Chancen.

Nr. 1 beim 25. Tölzer Triathlon!

Mit Startnummer 1 darf ich beim 25. Tölzer Triathlon starten.

Am Steinberger See wurde ich hinter der amtierenden Europameisterin Zweite. Beim Laufen kann ich sie schlagen, beim Radfahren eh, aber im Boot ist sie eindeutig die Schnellere. Noch.

Am Sonntag steht nun der Tölzer Triathlon an. Endlich, nach drei Jahren mal

wieder! Es ist die 25. Ausgabe des Traditionswettkampfes. Ich darf bei der 25. Ausgabe mit Startnummer 1 ins Rennen gehen. Das

macht mich sehr stolz! Vielen Dank für diese Ehre.

Heike

 

 

Am 24.12. war es ca. fünf Grad wärmer als heute!

Am 24.12. war es ca. fünf Grad wärmer als heute!

Wechselzone Kajak zu Lauf

Wechselzone Kajak zu Lauf

2. Platz beim Quadrathlon.

2. Platz beim Quadrathlon.

Ein besonderes Stück in meiner Sammlung!

Ein besonderes Stück in meiner Sammlung!

12.Mai 2013 Stadttriathlon München

Die Triathlonsaison 2013 hat begonnen!

Beim Stadttriathlon München bin ich ’nur‘ Elfte geworden, es war aber niemand älteres vor mir 😉 Ich konnte meine Altersklasse 35-40 gewinnen. Die schnellen Mädels vor mir waren alle jünger. Viel jünger!  Hier der Beweis 😉

Ich bin umzinkelt von schnellen, jungen Mädchen!

Ich bin umzingelt von schnellen, jungen Mädchen!

 

Seit September habe ich nicht mehr so viel und intensiv trainiert wie in den vergangenen Jahren. Ich habe dieses Jahr auch keine Langdistanz geplant. Stattdessen war ich mit Fortbildung und Arbeit beschäftigt.

Da ich aber für insgesamt acht Wochen als Radguide unterwegs war, stimmt meine Radform schon. Die Schwimm- und Laufperformance lässt noch zu wünschen übrig. Bis zu meinem Hauptwettkampf, dem Trans-Vorarlberg-Triathlon, im August ist aber noch genug Zeit.

Und kurz davor stehe ich ja beim Rad am Ring als 24 Stunden Einzelfahrerin am Start. Den Transvorarlberg hole ich  mir dann beim Radfahren 😉

Ich freue  mich auf eine schöne, entspannte und interessante Triathlonsaison 2013!

 

 

Ich freue mich auf das Sambakonzert als Auftakt der Triathlonsaison 2013

Ich freue mich auf das Sambakonzert als Auftakt der Triathlonsaison 2013

Gleich geht's los, noch schnell die letzte Henkersmahlzeit: Ein PowerGel und PowerBar Hydro Fluid!

Gleich geht’s los, noch schnell die letzte Henkersmahlzeit: Ein PowerGel und PowerBar Hydro Fluid!

Startabsage ICAN Mallorca

Aufgrund eines Trainingsrückstandes beim Laufen und geänderter Rahmenbedingungen des Wettkampfes habe ich mich gestern entschlossen, nicht beim ICAN Mallorca anzutreten.

Heute bin ich froh über diese Entscheidung, nachdem ich um 07:15 auf den Balkon meines Hotels getreten war und ein bis zwei Meter hohe Wellen vor mir sah. Aufgrund der widrigen Bedingungen musste der Veranstalter sogar kurzfristig den Schwimmpart canceln.

Eigentlich bin ich ja immer für schwere Bedingungen zu haben. Das macht nach elf Langdistanzen einfach einen besonderen Reiz aus und man kann seine Routine voll ausspielen. Aber nach dem Trans-Vorarlberg bin ich für dieses Jahr schon gesättigt, was persönliche Qualen anbelangt.

Somit beende ich diese durchwachsene Saison, die mehr Tiefen als Höhen mit sich brachte und hoffe darauf, dass es nächstes wieder rund läuft.

Des wird scho!

Trans-Vorarlberg-Triathlon am 26. August 2012 – Was ein verrückter Tag!

Schwimmen im Bodensee – unser erste Peiniger des Tages – 2000 Höhenmeter vom Bodensee nach Lech am Arlberg – der Wettergott unser Unheilbringer – ein abschließender Lauf, um wieder warm zu werden – und nur ein neunter Platz weil ich (den Meteorologen vertrauend) auf Sonne spekuliert hatte.

Der Tag fing harmlos an. Ich habe in Lech übernachtet und um 6 Uhr morgens den Bus nach Bregenz genommen. Der Starkregen von Samstagabend hatte wie vorhergesagt aufgehört. Am Bodensee angekommen riss die Wolkendecke bereits auf und der blaue Himmel war zu sehen. Während es in Lech nur 10 Grad waren, fühlte es sich am Bodensee mild an. Beste Aussichten für einen traumhaften Triathlon Tag! Denkste.

Ich habe mich noch in der Wechselzone umgehört, wie andere Athleten es mit der Bekleidungswahl halten. Normalerweise weiß ich ganz genau, was ich anziehen soll. Meine Strategie war Folgende: Nachdem ich am Samstag die Radstrecke mit dem Auto abgefahren bin und festgestellt habe, dass es eigentlich nur bergauf geht, die auskühlenden Abfahrten also marginal kurz sind, dachte ich, dass man nicht auskühlen kann. Schließlich bewegen wir uns im Wettkampftempo. Bei jeder Pässe Tour reißt man die Reißverschlüsse auf, weil es so warm ist. Kaum Fahrtwind aber anstrengendes bergauf. Ich wollte also nicht mit einem Windbraker fahren, den ich nur für eine Abfahrt von lächerlichen 5km Länge brauchen würde und der mir dafür aber drei Stunden lang rumflattert, weil ich ihn eh nur geöffnet habe. Trotzdem war ich mir unschlüssig, ob er nicht für die letzten Höhenmeter des Hochtannbergpasses auf 1675m unerlässlich sei.

Da die Meteorologen Sonne vorhersagten und schon der blaue Himmel zu sehen war, habe ich mich für Sonnencreme, Ärmlinge und gegen den Windbraker entschieden – so wie viele andere.

Beim Einschwimmen war klar, dass das Schwimmen heute kein Spaß werden würde. Es hatte ziemliche Wellen. Wie krass es aber tatsächlich war, merkten wir erst nach dem Startschuss. Just in diesem Moment flaute tatsächlich der Wind auf und peitschte die Wellen so richtig an. Da kamen wirklich meterhohe Wellenberge auf uns zu! Bis zu 1,50m waren sicher dabei. Wirklich. Ich wusste bis dato nicht, dass es auf unseren Seen solche Wellen geben kann. Ich dachte an die armen Kajakfahrer und Wasserwachtboote, die uns begleiteten. Die hatten alle so ihre Schwierigkeiten! Ich dachte auch an Kanalschwimmer und Bodensee-Durchquerer und mir war absolut klar, dass es an manchen Tagen keine Chance gibt, solch einen Versuch erfolgreich zu Ende zu bringen. Und wir sind nur lächerliche 1,2km geschwommen! Nicht mal richtig auf den See hinaus sondern eigentlich nur gerade an der phantastischen Seebühne vorbei, um dann 90 Grad nach links zum Strandbad abzubiegen. Unfassbar!!!

Mit dem Wechselbeutel in der Hand durften wir durch die Zuschauerränge der Seebühne laufen.

Mit dem Wechselbeutel in der Hand durften wir durch die Zuschauerränge der Seebühne laufen.

Ich habe 24 Minuten für diesen Part gebraucht. Für 1,2 km…. Aber es waren nur zehn Frauen schneller als ich! Respekt an Silvia Stampfer (Czaika), die als schnellste Schwimmerin nach 20:10 min das Wasser verlies. Wie hast du es nur geschafft, so schnell durch dieses Chaos zu schwimmen??? Respekt! 😉

Das Radfahren lies ich kontrolliert angehen, mit gebührendem Respekt vor der Strecke. Bis zum Beginn des Hochtannbergpasses habe ich mich auf den zweiten Rang vorgearbeitet. Seit ca. einer Stunde regnete es. Eine Windschattengruppe habe ich nicht nur ein- sondern überholt. Ja, sogar auf solchen Strecken nutz man die 10-15km, die relativ flach bergauf verlaufen (1-3% Steigung), um sich den Gegenwind von der Pelle zu halten. Leider hat eine Dame, die sich gut im Windschatten eines Mannes aufhielt, später sogar noch eine sehr, sehr gute Platzierung geschafft. Gut, selbst du musstest die Höhenmeter alleine fahren, aber ich wette mal, dass du die Körner, die du dir auf dem Weg nach Schoppernau gespart hast, nutzen konntest, um deine direkte Konkurrentin zu überrennen, die bis dato mit korrekten 10m Abstand längere Zeit in meiner Nähe gefahren ist…

 

aufwärts...Nun gut, am Pass angekommen wurde mir persönlich kälter und kälter. Der Dauerregen und die zunehmende Kälte mit jedem Höhenmeter setzten mir zu. Ich habe alles aufgegessen, was ich dabei hatte. Zwei PowerBar Riegel, vier PowerBar Gels. Die Kälte… Ich merkte richtig, wie sie in mir aufsteigt. Die Oberschenkel waren seit langer Zeit knall rot und kalt. Nun kam die Kälte auch von Innen. So fuhr ich, nur mit einem Triathlon Zweiteiler und Ärmlingen, natürlich ohne Socken in offenen Schuhen, bei ca. 4-6 Grad im Dauerregen über den Hochtannbergpass. Kurz habe ich ans Aufgeben gedacht. Fünf Kilometer vor der Wechselzone. Ich wusste nicht, wie ich die Abfahrt überstehen sollte. Die Regentropfen haben sich wie Nadeln angefühlt. Hätten hier nochmals Zuschauer gestanden, ich hätte mir eine Jacke geliehen. Nur um heil anzukommen. Mein Plan, in der Abfahrt nochmal Zeit auf die Mädels vorne gut zu machen (denn das hatte ich die letzten 97 Kilometer schon vorzüglich praktiziert) war wie weggeblasen. Ich habe versucht meinen Lenker zu halten, der bei 30-40 km/h gezittert hat, weil ich das Muskelzittern meiner Arme nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte… Oh man. Aber ich wusste ja, nur ein paar Kurven, dann kommt da schon Lech und ein bisschen Treten ist auch noch dabei….

Regen, Regen, Regen...

Regen, Regen, Regen…

In Lech angekommen wurden wir mit Rettungsdecken empfangen. Es erging vielen so. Sehr vielen! Wir hatten einfach nicht damit gerechnet. Die Wettervorhersage war komplett anders und der Himmel am Morgen verhieß eigentlich Gutes. C’est la Vie!

Aber ich habe meinen Helm noch selber auf bekommen. Sogar einen Schuh selbst angezogen, den zweiten hat mir der nette Helfer irgendwie über den Fuß gezogen. Und mein Gel hat er mir aufgerissen. Vielen Dank!

Die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.

Die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.

So bin ich dann los. Silvia Stampfer hat mich direkt nach der Wechselzone überholt. Es ging kurz steil bergauf und steil bergab. Ich frag mich nur, wie sie da schon laufen konnte! Ich konnte es nicht… Keine Chance. Auch die vier anderen Mädels musste ich zähneknirschend während der 12 Kilometer einfach ziehen lassen. Ich hätte es ja wirklich versucht, nochmal schnell(er) zu laufen, aber was ich wollte und was meine Beine taten war zwei komplett unterschiedliche Dinge! Das hab ich dann auch eingesehen und mich meinem Schicksal ergeben.

Ein Grinsen ob der unerwartet überstandenen Strapazen

Ein Grinsen ob der unerwartet überstandenen Strapazen

 

Ich und alle anderen sind heil angekommen. Das ist erst mal das Wichtigste nach so einem verrückten Tag. Und dann werde ich noch in zehn Jahren von den Wellen im Bodensee und den sechs Grad auf dem Pass, im nassen Triathlon Anzug ohne Socken in offenen Schuhen erzählen. Soviel steht fest. Dieser Wettkampf geht in die Annalen ein und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Austragung. Der Wettkampf ist absolut genial! Die Seebühne, die Berge, die gesamte Szenerie. Genial. Ich wünsche mir dann nur Eins: Sonnenschein!