Paris-Brest-Paris 2015 – Vorbericht

Paris-Brest-Paris 2015 – Vorbericht

Link zum Athlete Tracker: http://suivi.paris-brest-paris.org/J302.html

Der große Tag ist da. In rund fünf Stunden, um 18 Uhr, gehe ich an den Start von Paris-Brest-Paris. Ich habe 90 Stunden Zeit für 1.230 km und ca. 10.000 Höhenmeter. Meine Startnummer ist J302. Es geht 600km quer durch die Bretagne in Richtung Brest an den Atlantik und auf gleicher Strecke zurück. Ich hoffe, dass es sich so ausgeht, dass ich in beide Richtungen die schönsten Dinge am Tage passiere, um möglichst viel von der Gegend zu sehen.

Gestartet wird in Wellen zu 300-350 Personen. Insgesamt sind etwas über 6.000 Leute am Start. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, mit einem Limit von 80 Stunden (ab 17 Uhr) oder 84 Stunden (ab 17.8. 5:00 Uhr) zu starten, aber ich habe mich für die klassische 90 Stunden Variante entschieden.

Aus den Statistiken kann man lesen, dass es rund 30% Ausfallquote bei jeder Austragung gibt. Es kann so viel passieren, in 3,5 Tagen. Vor allem ein Sturz oder ein technischer Defekt würde im schlimmsten Fall das Ende bedeuten. Mir wurde von einem Teilnehmer berichtet, der im Anschluss an PBP monatelang taube Finger hatte. Ein anderer hat seitdem sein Fahrrad nie mehr angerührt. Ich bin also gespannt, was alles auf mich zukommt und habe großen Respekt!

Was mir zu schaffen machen wird, ist die Ernährung, weil ich irgendwann einfach keinen Hunger und Appetit mehr habe und dann zu wenig zu mir nehme. Außerdem werden mir meine Weichteile weh tun. Mit meinen Genitalien hatte ich bisher auf jedem längeren Brevet Probleme. Ich fahre deshalb eine Triathlonhose, quasi ohne Einsatz, um die Reibung durch das Polster, dass sich genau vorne in jeder Radhose befindet, wo Frau drauf sitzt, zu vermeiden. Der Hintern tut mir eigentlich nie weh. Der ist schon platt gesessen. Das ging bisher bei 600km gut, ob es ohne Polster auch für 1200km reicht, wird sich zeigen.

Als Gegenmaßnahme wollte ich eine zusätzliche Radhose mitführen, aber die Ersatzbekleidung wiegt bereits 476g. Ein normales Radtrikot wiegt tatsächlich 250g! Eine Radhose deutlich mehr. Also habe ich nur eine Ersatz Triathlonhose dabei. Da ich bei meinem Brevets genug Erfahrung mit Regen sammeln musste, habe ich einen kompletten Satz Ersatzwäsche dabei. Zwar wollte ich auch zusätzliche Ärmlinge und Beinlinge mitnehmen, aber wie schon gesagt, das Gewicht. Also gibt es nur trockene Kleidung, die direkt am Körper sitzt.

Da diesmal aber kein großer Regen angesagt ist, habe ich gestern sogar die 250g schwere Radhose ausgepackt. Ich habe eine kurze Regenhose dabei, die sollte sowohl bei Regen als auch bei Temperaturen um die 10 Grad nachts reichen.

Meine strategischen Planungen sehen wie folgt aus:

Alle 100km bzw. bei jeder oder jeden zweiten Kontrollstation gibt es eine Kleinigkeit zu essen. Baguette, o.ä. 20-30 Minuten Pause. Die Zeit vergeht, bis man das Klo findet, sich bei der Verpflegung anstellt und was isst und trinkt. Schwups, sind 20 Minuten weg.

Dazwischen gibt es Riegel, ich habe sechs Riegel und sechs Gels dabei, was fast 700g Gepäck ausmacht. Plus Getränkepulver, was nochmal rund 400g verursacht.

Alle 200km möchte ich etwas Warmes essen, ca. 1h Pause machen. Nudeln oder ähnliches.

Bei km 363 in Tinteniac möchte ich die erste Schlafpause von drei bis vier Stunden machen. Da ich dort aber, grob gerechnet, am Montag gegen 13 Uhr Mittags ankomme, weiß ich nicht, ob ich zu dem Zeitpunkt müde bin. Mal sehen.

Weiter geht’s im 100er / 200er Rhythmus bis km 698 nach Carhaix. Hier wartet Michael auf mich mit Nudelsalat und Crepes und ich kann in seinem Auto die nächste Schlafpause einlegen. Da die Schlafsäle alle überfüllt sind, und viele einfach auf dem Boden schlafen müssen, wurde mir das als Tipp mit auf dem Weg gegeben. Dort bin ich ungefähr am Dienstag um 10 Uhr.

Ab dort habe ich keinen Plan mehr. Die 100er/200er Strategie bleibt und ich werde mal sehen, wo und wie lange ich die dritte Schlafpause einlege.

Ich habe mit einem netto Schnitt von 22 km/h geplant. Das wären 56h reine Fahrtzeit. Die Pausen hinzu gerechnet komme ich auf ca. 76h Brutto Zeit. Noch 4h Zeitpuffer dazu, wäre ich bei 80h. Damit wäre ich am Donnerstag Morgen um 2 Uhr zurück in Paris. Meine 90 Stunden laufen am Donnerstag um 12 Uhr ab. Bis dahin muss ich im Ziel sein.

Ich möchte das Event genießen. Rad am Ring ist ein Wettkampf, das Race across America ist ein Wettkampf, aber die Philosophie der Randonneure ist dabei sein und die Strecke bewältigen. Genau das reizt mich auch daran. Einfach nur machen!

Mir wurde erzählt, dass Tag und Nacht Zuschauer am Straßenrand stehen, die anfeuern, Kaffee, Baguette und Crepes verschenken. Hoffentlich habe ich die Ruhe um mir das nicht entgehen zu lassen, wenn sich die Chance bietet.

Ein wichtiger Tipp, den ich bekommen habe und beachten möchte: Wenn der Minutenschlaf kommt, dann unbedingt 15 Minuten hinlegen und einen PowerNap machen. Das soll enorm helfen. Mir wurde erzählt, dass auf dem Rückweg immer mal wieder einfach Leute im Gras liegen, die aussehen, als ob sie gestürzt wären und Hilfe bräuchten, aber sie haben einfach angehalten und sich so, wie sie sind, ins Gras gelegt und schlafen.

Und somit ist alles geschrieben, was ich im Vorfeld geplant hatte. Ich bin gespannt, wie es dann real aussehen wird. Meine Beine sind seit Rad am Ring tatsächlich etwas angeschlagen, aber die langen Dinger werden eh mit dem Kopf bewältigt und der passt. Also, alles im grünen Bereich.

Ich freue mich richtig drauf! Es findet nur alle vier Jahre statt, das ist wirklich etwas besonderes. Und ich weiß nicht warum, aber es sind nur sehr, sehr wenig Frauen am Start. 2011 sind nur knapp 300 Frauen ins Ziel gekommen. Und 4000 Männer! Dieses Jahr sind 522 Deutsche am Start, davon nur 29 Frauen. Ich bin also Exotin. Außerdem für das Durchschnittsalter der Teilnehmer noch recht jung. Alles sehr spannend! Ich lasse von mir hören!

P.S. Die Wetterprognose ist, anders als in Deutschland, gut! Jippieayeah!

#IstriaBike #PowerBar #PBTE #Airstreeem #PersonalTriathlonTraining

Gepäck PBP 2015

Gepäck PBP 2015

Mein Rad, fertig für PBP

Mein Rad, fertig für PBP

Let's get ready to rumble!

Let’s get ready to rumble!

2 Gedanken zu “Paris-Brest-Paris 2015 – Vorbericht

  1. Viel Glück Heike. Ich und Stefan haben andere Sorgen. Sonntag gehts in Hamburg die Cyclassic fahren. Und nächstes Jahr wierder Porec?
    Gruß Micha aus Potsdam

Kommentar verfassen