Trans-Vorarlberg-Triathlon am 26. August 2012 – Was ein verrückter Tag!

Schwimmen im Bodensee – unser erste Peiniger des Tages – 2000 Höhenmeter vom Bodensee nach Lech am Arlberg – der Wettergott unser Unheilbringer – ein abschließender Lauf, um wieder warm zu werden – und nur ein neunter Platz weil ich (den Meteorologen vertrauend) auf Sonne spekuliert hatte.

Der Tag fing harmlos an. Ich habe in Lech übernachtet und um 6 Uhr morgens den Bus nach Bregenz genommen. Der Starkregen von Samstagabend hatte wie vorhergesagt aufgehört. Am Bodensee angekommen riss die Wolkendecke bereits auf und der blaue Himmel war zu sehen. Während es in Lech nur 10 Grad waren, fühlte es sich am Bodensee mild an. Beste Aussichten für einen traumhaften Triathlon Tag! Denkste.

Ich habe mich noch in der Wechselzone umgehört, wie andere Athleten es mit der Bekleidungswahl halten. Normalerweise weiß ich ganz genau, was ich anziehen soll. Meine Strategie war Folgende: Nachdem ich am Samstag die Radstrecke mit dem Auto abgefahren bin und festgestellt habe, dass es eigentlich nur bergauf geht, die auskühlenden Abfahrten also marginal kurz sind, dachte ich, dass man nicht auskühlen kann. Schließlich bewegen wir uns im Wettkampftempo. Bei jeder Pässe Tour reißt man die Reißverschlüsse auf, weil es so warm ist. Kaum Fahrtwind aber anstrengendes bergauf. Ich wollte also nicht mit einem Windbraker fahren, den ich nur für eine Abfahrt von lächerlichen 5km Länge brauchen würde und der mir dafür aber drei Stunden lang rumflattert, weil ich ihn eh nur geöffnet habe. Trotzdem war ich mir unschlüssig, ob er nicht für die letzten Höhenmeter des Hochtannbergpasses auf 1675m unerlässlich sei.

Da die Meteorologen Sonne vorhersagten und schon der blaue Himmel zu sehen war, habe ich mich für Sonnencreme, Ärmlinge und gegen den Windbraker entschieden – so wie viele andere.

Beim Einschwimmen war klar, dass das Schwimmen heute kein Spaß werden würde. Es hatte ziemliche Wellen. Wie krass es aber tatsächlich war, merkten wir erst nach dem Startschuss. Just in diesem Moment flaute tatsächlich der Wind auf und peitschte die Wellen so richtig an. Da kamen wirklich meterhohe Wellenberge auf uns zu! Bis zu 1,50m waren sicher dabei. Wirklich. Ich wusste bis dato nicht, dass es auf unseren Seen solche Wellen geben kann. Ich dachte an die armen Kajakfahrer und Wasserwachtboote, die uns begleiteten. Die hatten alle so ihre Schwierigkeiten! Ich dachte auch an Kanalschwimmer und Bodensee-Durchquerer und mir war absolut klar, dass es an manchen Tagen keine Chance gibt, solch einen Versuch erfolgreich zu Ende zu bringen. Und wir sind nur lächerliche 1,2km geschwommen! Nicht mal richtig auf den See hinaus sondern eigentlich nur gerade an der phantastischen Seebühne vorbei, um dann 90 Grad nach links zum Strandbad abzubiegen. Unfassbar!!!

Mit dem Wechselbeutel in der Hand durften wir durch die Zuschauerränge der Seebühne laufen.

Mit dem Wechselbeutel in der Hand durften wir durch die Zuschauerränge der Seebühne laufen.

Ich habe 24 Minuten für diesen Part gebraucht. Für 1,2 km…. Aber es waren nur zehn Frauen schneller als ich! Respekt an Silvia Stampfer (Czaika), die als schnellste Schwimmerin nach 20:10 min das Wasser verlies. Wie hast du es nur geschafft, so schnell durch dieses Chaos zu schwimmen??? Respekt! 😉

Das Radfahren lies ich kontrolliert angehen, mit gebührendem Respekt vor der Strecke. Bis zum Beginn des Hochtannbergpasses habe ich mich auf den zweiten Rang vorgearbeitet. Seit ca. einer Stunde regnete es. Eine Windschattengruppe habe ich nicht nur ein- sondern überholt. Ja, sogar auf solchen Strecken nutz man die 10-15km, die relativ flach bergauf verlaufen (1-3% Steigung), um sich den Gegenwind von der Pelle zu halten. Leider hat eine Dame, die sich gut im Windschatten eines Mannes aufhielt, später sogar noch eine sehr, sehr gute Platzierung geschafft. Gut, selbst du musstest die Höhenmeter alleine fahren, aber ich wette mal, dass du die Körner, die du dir auf dem Weg nach Schoppernau gespart hast, nutzen konntest, um deine direkte Konkurrentin zu überrennen, die bis dato mit korrekten 10m Abstand längere Zeit in meiner Nähe gefahren ist…

 

aufwärts...Nun gut, am Pass angekommen wurde mir persönlich kälter und kälter. Der Dauerregen und die zunehmende Kälte mit jedem Höhenmeter setzten mir zu. Ich habe alles aufgegessen, was ich dabei hatte. Zwei PowerBar Riegel, vier PowerBar Gels. Die Kälte… Ich merkte richtig, wie sie in mir aufsteigt. Die Oberschenkel waren seit langer Zeit knall rot und kalt. Nun kam die Kälte auch von Innen. So fuhr ich, nur mit einem Triathlon Zweiteiler und Ärmlingen, natürlich ohne Socken in offenen Schuhen, bei ca. 4-6 Grad im Dauerregen über den Hochtannbergpass. Kurz habe ich ans Aufgeben gedacht. Fünf Kilometer vor der Wechselzone. Ich wusste nicht, wie ich die Abfahrt überstehen sollte. Die Regentropfen haben sich wie Nadeln angefühlt. Hätten hier nochmals Zuschauer gestanden, ich hätte mir eine Jacke geliehen. Nur um heil anzukommen. Mein Plan, in der Abfahrt nochmal Zeit auf die Mädels vorne gut zu machen (denn das hatte ich die letzten 97 Kilometer schon vorzüglich praktiziert) war wie weggeblasen. Ich habe versucht meinen Lenker zu halten, der bei 30-40 km/h gezittert hat, weil ich das Muskelzittern meiner Arme nicht mehr unter Kontrolle bringen konnte… Oh man. Aber ich wusste ja, nur ein paar Kurven, dann kommt da schon Lech und ein bisschen Treten ist auch noch dabei….

Regen, Regen, Regen...

Regen, Regen, Regen…

In Lech angekommen wurden wir mit Rettungsdecken empfangen. Es erging vielen so. Sehr vielen! Wir hatten einfach nicht damit gerechnet. Die Wettervorhersage war komplett anders und der Himmel am Morgen verhieß eigentlich Gutes. C’est la Vie!

Aber ich habe meinen Helm noch selber auf bekommen. Sogar einen Schuh selbst angezogen, den zweiten hat mir der nette Helfer irgendwie über den Fuß gezogen. Und mein Gel hat er mir aufgerissen. Vielen Dank!

Die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.

Die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben.

So bin ich dann los. Silvia Stampfer hat mich direkt nach der Wechselzone überholt. Es ging kurz steil bergauf und steil bergab. Ich frag mich nur, wie sie da schon laufen konnte! Ich konnte es nicht… Keine Chance. Auch die vier anderen Mädels musste ich zähneknirschend während der 12 Kilometer einfach ziehen lassen. Ich hätte es ja wirklich versucht, nochmal schnell(er) zu laufen, aber was ich wollte und was meine Beine taten war zwei komplett unterschiedliche Dinge! Das hab ich dann auch eingesehen und mich meinem Schicksal ergeben.

Ein Grinsen ob der unerwartet überstandenen Strapazen

Ein Grinsen ob der unerwartet überstandenen Strapazen

 

Ich und alle anderen sind heil angekommen. Das ist erst mal das Wichtigste nach so einem verrückten Tag. Und dann werde ich noch in zehn Jahren von den Wellen im Bodensee und den sechs Grad auf dem Pass, im nassen Triathlon Anzug ohne Socken in offenen Schuhen erzählen. Soviel steht fest. Dieser Wettkampf geht in die Annalen ein und ich freue mich jetzt schon auf die nächste Austragung. Der Wettkampf ist absolut genial! Die Seebühne, die Berge, die gesamte Szenerie. Genial. Ich wünsche mir dann nur Eins: Sonnenschein!

3 Gedanken zu “Trans-Vorarlberg-Triathlon am 26. August 2012 – Was ein verrückter Tag!

  1. Ich habe mich schon schlau gemacht, aber hinter dem „nackten“ Ergebins deine Geschichte zu lesen, das ist eine andere Sache. Du solltest nicht ganz dein Licht unter den Scheffel stellen, Heike. In deiner Altersgruppe hat es alle mal zu einem Podiumsplatz gereicht. Deine Leistung ist KLASSE !!! .. und ICH hätte DIR auf jeden Fall meine Wind- oder Regenjacke zur Verfügung gestellt, darauf kannst du dich verlassen…

    Haben die Schiedsrichter wieder mal geschlafen????

    Griaßle aus Gochsheim

    Helmut

  2. Wahnsinn, Heike- jetzt hab ich diesen Bericht erstmal gelesen!! Meinen höchsten Respekt vor dieser Leistung!! Oh Gott- ehrlich gesagt graust´s mir schon vor nä. Sonntag- die Wetterprognose schaut ja bescheiden aus! Ich hoffe bloß, dass es nicht GANZ so kalt wird – sollte man das Handy in die Radbox tun, um sich im Notfall abholen lassen zu können? Bei Kälte hört bei mir der Spaß auf – von den abgestorbenen Pfoten, mit denen ich dann nix mehr händeln kann, mal ganz abgesehen. Tja. . . und Lutscher/innen wird es immer geben- hoffentlich gibt´s genug Kampfrichter.. Also wir sehn uns – im Ziel bist Du eh 1 Stund vor mir , wenn´s reicht!
    LG Christiane

Kommentar verfassen