Ötztaler Radmarathon – 238km, 5500 Höhenmeter

Was ein Hammer! Die ersten Pässe dienen Quasi dem Einrollen und der Schulung der eigenen Disziplin. Wer es zu schnell angehen lässt, hat schon verloren. Und irgendwie macht das jeder! 😉
Also Kühtai und Brenner stellen keine allzu große Herausforderung dar. Mir selbst ging es gut bis ca. 2/3 des Jaufenpasses. 3500 Höhenmeter lang ging es recht gut. Dann kam der Mann mit dem Hammer. Allerdings nicht aufgrund fehlender Energie sondern aufgrund fehlender lokaler Kraftausdauer in den Oberschenkeln. Bis dahin hab ich auch noch geistig Buch über meine Ernährung geführt, von da an hab ich nur noch reingestopft 😉 Oben auf dem Jaufenpass hab ich meine Ersatzriegel und Gels, die ich fein säuberlich in die Satteltasche gestopft habe bis sie fast geplatzt wäre, heraus geholt. Und Gott sei Dank hab ich extra noch eines mehr eingepackt. Bis dato hatte ich vier PowerBar Performance und vier PowerBar Gels intus. Nun hatte ich noch weitere zwei Bars und vier Gels! Perfekt! Das rettet mich auf jeden Fall übers Timmelsjoch. Noch ein Käsebrot für den Geschmack und einen halben Riegel und ein Gel für die Energie, dazu ein Süppchen und dann gings hinunter vom Jaufen und hinein in den Anstieg zum Timmelsjoch.
Leider war ich zu dem Zeitpunk echt am Ende. Im ersten Drittel hab ich zwei mal eine Pause einlegen müssen, weil ich keine Kraft mehr hatte. Und ich war nicht alleine! In jeder Kurve standen ein paar Leute an der Leitplanke und ruhten sich aus. Wahnsinn! So eine Qual! Aktuell bin ich mir nicht ganz sicher, ob das der Sinn sein soll, aber ich denke mal, dass es im hinteren Startfeld beim Ironman ganz ähnlich zugeht. Ich selbst kenne natürlich die Qual und die Schmerzen, aber da laufe ich normalerweise noch! Und hab dann nur noch 1,5 Stunden oder so bis ins Ziel. Hier standen mir aber noch geschlagene drei Stunden im Schneckentempo bevor! Denn 21,5km mit 6-8 km/h ergeben halt rund drei Stunden! Und es wird nichts passieren, dass diese Zeitspanne kürzer wird! Oh je. Ganz ehrlich, ich konnte mir unten nicht vorstellen, wie ich diese Strecke schaffen sollte. Ich hab mich drauf eingestellt, alle zwei, drei Kurven Pause machen zu müssen. Zeit hatte ich noch genug. Vom Zeitlimit war ich weit entfernt. Ich hätte fast hoch schieben können… Ans Aufgeben hab ich nicht wirklich gedacht. Kommt ja gar nicht in die Tüte. Oh je! Naja, nach der zweiten Pause lief es einigermaßen. Ich hab mir dann gedacht, dass ich noch bis zu dieser Verpflegungsstelle fahre und dann erst wieder eine Pause mache. Und das hat geklappt! Dort hab ich mir meinen letzten PowerBar Riegel rein gezogen und noch ein wenig davon um meinen Vorbau geklebt 😉 Perfekt! Das ist unhygienisch, ekelig, aber sooo praktisch! 🙂 Nochmal ein Süppchen und ein Brot und für die Energie ein Gel und dann weiter. Bis oben hin gabs noch mal ein Gel und den schon fast gefrorenen PowerBar von meinem Vorbau (es war sakrisch kalt!) gab es oben im Tunnel. Geschafft!
Oh je, was eine Qual. Es ist laaange her, dass ich am Berg so eingegangen bin! Laaaange… Ich kann mich aber nicht beschweren, da ich zuletzt zu wenig Rad gefahren bin! Also, viel zu wenig. Es kam wie ich es verdient habe! Geschieht mir recht! Trotzdem lief es 3500 Höhenmeter lang erstaunlich gut und das nur aufgrund des guten Trainings von Ralf! Übers Timmelsjoch hat mich dann mein exzessiver PowerBar Verzehr gerettet! Was anderes hätte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr essen wollen, aber so ein Performance und ein Gel geht einfach immer noch irgendwie rein und gibt dann genug Energie um noch ein Weilchen weiter zu treten. Ich habe keine Ahnung, wie das früher ging, aber ohne Gels könnte ich keinen Wettkampf mehr bestreiten! :-))
Ach, mussten sich die 30 Classic Fahrer, die mit Rädern von vor 30 Jahren gefahren sind, auch wie vor 30 Jahren ernähren? Oh Gott! Die Ärmsten… Aber nein, die durften auch Gels essen ;-)))

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